Vor ein paar Jahren wurde Intensiv über Rauchverbote in Gaststätten diskutiert. In vielen Bundesländern wurden entsprechende Gesetze diskutiert und verabschiedet. Ich selbst war damals sehr für solche Gesetze. Mich stört das Rauchen allgemein sehr, es ist mir extrem unangenehm.

Die Autorin Juli Zeh soll aus dieser Diskussion die Inspiration für ihre Geschichte Corpus Delicti bekommen haben. Sie spinnt die Idee weiter, in einen Staat der die körperliche und geistige Gesundheit seiner Bevölkerung zum Staatsziel erklärt hat. Der Staat glaubte damit alle Probleme lösen zu können, allen früheren Versuchen einer Staatsform überlegen zu sein. Denn er hätte ja nur das Beste für die Menschen im Sinn.

Juli Zeh zeigt hier etwas, was bei vielen Ideologien anzutreffen ist. Für jede einzelne Maßnahme, für jede einzelne Idee lässt sich eine gute Begründung finden, ja sogar eine Begründung finden die die Mehrheit der Bevölkerung teilt, wie z.B. mit mir und dem Rauchverbot in Gaststätten. So kann Zeh einen Charakter auch ohne Probleme genau dies als Begründung für die Staatsideologie vortragen lassen. Alle Maßnahmen seien ja nur zum Besten der Menschheit gedacht.

Doch nimmt ein Staat alle Maßnahmen und alle Ideen zusammen und baut daraus eine Ideologie werden die eigentlich gut gemeinten Ideen und Maßnahmen zu einer Gefahr. Sie werden Teil eines Systems, in dem es nicht mehr darum geht, dass der Mensch gesund und glücklich ist, sondern in dem er einer Norm entspricht.

So muss sich eine Ideologie zwangsläufig in ihr Gegenteil verkehren, denn in dem der Staat mit immer neuen Regeln die Verhaltensweisen der Menschen zu regulieren versucht je kränker werden diese. Sie versuchen entweder krampfhaft diese Regeln zu beachten oder sich Freiräume zu schaffen, welche vom Staat als Bedrohung hart bekämpft werden.

Und genau hier fällt die Hauptdarstellerin rein, Mia Holl will sich krampfhaft an die Regeln halten, sie will dazu gehören. Doch der Tot ihres Bruders Moritz lässt sie an der Staatsideologie zweifeln. Etwas, was die Ideologie nicht vorgesehen hat, der Apparat kennt nur schwarz und weiß. So wird aus einer Frau die eben noch von der Ideologie überzeugt war immer mehr jemand der diese Ideologie ablehnt, sogar bereit ist gegen sie zu kämpfen.

So schaffen sich Ideologien auch immer ihre eigenen Feinde. Dies Feinde haben jedoch aus Sicht der Ideologie zwei Seiten oder Aufgaben. Sie dienen der Legitimation von Repression und Unterdrückung und zum anderen stellen sie eine reale Gefahr für die Ideologie dar.