Ich habe ein Problem, das Problem des “ich kann keine Texte zu Ende schreiben” verfolgt mich seit Jahren und verhindert zuverlässig, dass ich wichtige Texte schreibe oder sie fertigstelle. Ich wollte an dieser Stelle über ein tolles Buch, welches ich Anfang Juni gelesen hatte schreiben, ich wollte über eine Rassismusdebatte schreiben, die mir immer noch in den Knochen steckt. Doch geschafft habe ich weder das eine noch das andere.

Ursache oder Auslöser ist die Angst davor etwas falsches zu machen oder zu sagen oder zu schreiben. Wobei ich keine Ahnung habe, was in diesem Fall eigentlich falsch ist. Ich blicke ständig auf mich von außen und gucke mir überkritisch an, was ich da tue. Und überall sehe ich kleine oder große Fehler, wobei ich nicht weiß, ob es wirklich Fehler sind oder ob ich mir das nur einbilde.

Meist sind es eingebildete Fehler, meist erhalte ich positive oder zumindest konstruktive Anmerkungen auf das was ich sage, tue oder schreibe. Um so unverständlicher ist mir meine Angst davor. Um so unverständlicher ist es, dass ich damit nicht umgehen kann. Um so unverständlicher ist es für mich, nicht zu wissen wohin es weiter gehen soll.

Zurück zu den Texten die nie fertig werden oder nie geschrieben werden. Ich weiß, seit Wochen und Monaten kommen regelmäßig kurze Textfetzen in meinen Kopf und bleiben da auch, allerdings nicht lange genug, um sie aufzuschreiben. Dies frustriert mich regelmäßig. Dazu kommt noch eine Art vergessen, welches eher ein Vermeiden ist. Ich erinnere mich dann wieder zu Zeitpunkten daran, etwas schreiben zu wollen, wo ich eher schlafen, zu einem Termin oder etwas anderes tue und halt nicht den Text den schreiben wollte oder kann.

Und dann gibt es diese kurzen Momente, oder Situationen, in denen der Text gar nicht aufhören will zu fließen, er kommt und will geschrieben werden, nichts da was ihn aufhalten könnte und ich will ihn dann auch nicht aufhalten, ich lassen ihn in die Tastatur oder auf ein Blatt Papier fließen und bin glücklich, wie er sich sich vor mir ausbreitet und ich am Ende sagen kann: Ja, das ist gut so. Leider passiert dies nur selten, viel häufiger muss ich mich dazu zwingen, dazu durchringen und am Ende liegt er vor mir, doch ich weiß nichts damit anzufangen.

Oder noch viel schlimmer, der Text ist da aber er ist unvollständig. Ihm fehlt ein Schluss, ihm fehlt etwas in der Mitte oder ihm fehlt etwas am Anfang. Vor allem bin ich mir dann nur selten sicher, was fehlt, was ich noch hinzufügen muss, damit der Text vollständig ist. Manchmal vergehen Tage, Wochen oder Monate oder es passiert nie und der Text landet im Datennirvana. Etwas, was mich regelmäßig sehr traurig macht und ich mache mir danach große Vorwürfe, ich hätte nicht genug Disziplin oder ich könne nicht schreiben. Ich wäre gar nicht dafür geschaffen worden, zu schreiben.

Gerade letzteres macht mir persönlich zu schaffen, und letztlich schließt sich hier der Kreis, denn der nicht geschriebene Text ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Solange ich mir einbilde etwas nicht zu können, trotz gegenteiliger Erfahrung, werde ich es auch nicht können. So lange werde ich in diesem Kreis gefangen sein. Daher muss ich ausbrechen. Ich muss den Kreis durchbrechen, um mich frei und ohne Angst entfalten zu können. Ich muss begreifen lernen, dass das was ich tu, ich getan habe, und dass es erst einmal gut ist. Es muss nicht großartig oder perfekt sein, es muss bloß gut sein. Und ehrlich gesagt, es muss mir egal sein, wenn es jemand für nicht gut hält, zumindest nicht, wenn er oder sie keine Begründung dafür liefert. Doch dies sind gewaltige Schritte und ich scheine noch nicht bereit dafür zu sein.

Noch nicht aber bald …