Heute habe ich in der ARD-Mediathek die Dokumentation Mathe bei Mutti von Rita Knobel-Ulrich gesehen. In dieser Sendung ging es um drei Familien, die sich weigern ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken. Zwei christliche Großfamilien und eine alternative Familie.

Die Dokumentation war meiner Meinung nach unkritisch über die Gründe, wieso diese Familien den Besuch einer öffentlichen Schule verweigert haben. Stellenweise wirkte der Film so, als würde die Autorin gerne zeigen wollen: seht her, Unterricht daheim funktioniert. Es wird gezeigt, wie gut die Kinder der beiden christlichen Familien später in Realschule und Berufsschule mithalten können oder dass der älteste Sohn der alternativen Familie Abitur macht.

Nur zwei Mal kommen kritische Töne. So fragt die Dokumentation, als der Vater meint es wären ja seine Kinder und nicht die des Staates, ob Kinder überhaupt jemanden gehören würden und am Ende der Sendung, ob Kinder und Jugendliche die einem solchen Umfeld aufwachsen, überhaupt die Chance auf einen eigenen Weg haben. Leider wurden diese beiden Kritikpunkte überhaupt nicht weiterverfolgt. Die Eltern wurden mit ihnen nicht konfrontiert und auch die Kinder mussten sich damit in der Sendung nicht auseinandersetzen.

Für mich stellt die allgemeine Schulpflicht eine emanzipatorische Errungenschaft für Kinder und Jugendliche dar. Sie ermöglicht es überhaupt eine Welt jenseits der elterlichen Wohnung kennenzulernen. Menschen treffen zu müssen, die aus anderen Zusammenhängen kommen als man selbst. Die Schule ist damit so etwas wie der erste Schritt in ein eigenes Leben, zumindest sollte sie dies meiner Meinung nach sein.