Es muss ein großer Tag für David Cameron gewesen sein, vor versammelter Presse präsentierte er die Pläne für zwei neue Atomreaktoren von Typ EPR in England. Sie sollen von französischen und chinesischen Investoren gebaut werden und je 1600 MW leisten. Dies wären dann ca. 7% der Strombedarfs auf der Insel. Außerdem verkündete Cameron, dass diese Reaktoren ohne staatliche Zuschüsse auskommen werden und daher vollständig eigenwirtschaftlichen betrieben werden.

Nur hier hören die guten Nachrichten auf, denn so ganz stimmt diese Aussage nicht. So bürgt der Staat für die notwendigen Kredit für den Bau. Außerdem wird es für den Betreiber der Anlagen einen festen Einspeisetarif geben. Dieser Einspeisetarif hat aber deutliche Unterschied zu den Einspeisetarifen für erneuerbare Energien, wie sie in Deutschland existieren. Er gilt für 35 und nicht bloß für 20 Jahre und während der Tarif für erneuerbare Energien nominal für die gesamte Zeit gleich bleibt, soll der Einspeisetarif für die englischen Atomkraftwerke real gleich bleiben, dass heißt die Inflation soll Jahr für Jahr angerechnet werden.

Es ist noch nicht wirklich sicher, wieso Cameron diesen Weg geht. Denn er zeigt klarer denn je, wie teuer die Atomkraft ist. Die Vergütung soll bei 92,50 Pfund pro MWh sein. Dies entspricht umgerechnet auf Euro und kWh einen Betrag von knapp 0,11 Euro pro kWh. Selbst die immer noch als teuer gesehene Photovoltaik bekommt heute weniger meist als 0,10 Euro pro kWh als feste Vergütung und auch diese nur für 20 Jahre. Und hier kommt das zweite Problem, die Zahlen sind so kaum zu vergleichen. Wie hoch wäre die Vergütung für PV wenn sie für 35 Jahre gelten würde, wie hoch wäre die Vergütung für Camerons neues Atomkraftwerk, wenn die Vergütung ur 20 Jahre lang gezahlt werden würde.

Doch die Einspeisevergütung ist nicht alles, sie ist nicht die einzige Hilfe, die die Investoren für den Bau der beiden Reaktoren erhalten. Die britische Staat bürgt außerdem für einen Teil der notwendigen Kredite. Was sich für die Betreiber positiv auf die zu zahlenden Zinsen und Konditionen auswirken wird. Vor allem, weil sie bisherigen zwei EPR-Projekte in Finnland und Frankreich erheblich teurer wurden als geplant. Sowohl in Finnland als auch in Frankreich ging man von 3 Mrd. Euro aus. Damit sollte die Kraftwerke shclüsselfertig gebaut werden. Doch die Kosten stiegen bisher regelmäßig an, und liegen heute für beide Anlagen bei ca. 8,5 Mrd. Euro. Ob das Wissen, welches beim Bau der bisherigen Anlagen angesammelt wurde, zu einer Kostenreduktion beim Bau der englischen Reaktoren führt ist ungewiss.

Weitere Hindernis ist die Bauzeit, der EPR ist komplexer als bisher gebaute Reaktoren und für die im Bau befindlichen Anlagen wird die Bauzeit mittlerweile mit ca. 10 Jahren angegeben. Welches eine sehr lange Zeit ist und den Termin 2023 für die Betriebsaufnahme als sehr optimistisch aussehen lässt. Auch aus einem anderen Grund ist diese lange Bauzeit relevant. Von 2002 bis 2012 erhöhte sich in Deutschland der Anteil von erneuerbaren Energien von 7,7% auf 23,5%. Und die beiden Reaktoren in England sollen, wie oben bereits erwähnt, gerade einmal 7% des Strombedarfs decken können.

Insgesamt wirken die beiden geplanten Reaktoren wie ein politisches und kein wirtschaftliches Unternehmen. Es geht nicht darum, dass es zu einer atomaren Renaissance kommt, sondern darum, die Atomindustrie nicht endgültig sterben zu lassen. Ob dies wirklich funktioniert und auch zu welchem Preis dies erreicht wird bleibt abzuwarten.

Eines ist jedoch sicher, während die Kosten für erneuerbare Energien gesunken sind und weiter sinken, steigen die Preise für fossile und atomare kraftwerke. Daran wird auch eine Einspeisevergütung nicht viel ändern.