Für ein modernes Land ist Infrastruktur wichtig. Waren müssen transportiert werden, Menschen wollen schnell von A nach B. Ohne Infrastruktur funktioniert nichts, alles würde zusammenbrechen und das Leben zum erliegen kommen. Infrastruktur muss jedoch aktiv erhalten werden, soll sie den Anforderungen jederzeit entsprechen. Wenn in den USA eine Brücke zusammenbricht lacht man in Deutschland über die dummen Amis, nur in Deutschland sieht es nicht besser aus.

Erst heute berichtet die ARD über die Situation an vielen Brücken im deutschen Autobahnnetz, zum Beispiel der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein. Der WDR berichtet diese Woche über den mangelhaften Zustand vieler Stadtbahnen im Ruhrgebiet, vor allem in kleinen Orten wie zum Beispiel Mühlheim nagt der Zahn der Zeit. Es würde Milliarden kosten diese Netze wieder in Ordnung zu bringen. Geld, welches die Kommunen nicht haben. Auch die Deutsche Bahn hat Probleme, im Mainzer Hauptbahnhof ist die Personaldecke so dünn, dass der Bahnhof teilweise nicht angefahren werden kann.

Allen diesen Probleme ist eins gemein, sie singen das Lied von fehlenden Investitionen im Bereich der Infrastruktur. Über Jahrzehnte wurden die Netze vernachlässigt, wurden Fahrzeuge nicht erneuert. Doch zur selben Zeit musste die bestehenden Netze einer wesentlich stärkeren Nutzung standhalten.

Jetzt haben wir den Salat, Städte wie Mülheim überlegen die Stadtbahn komplett zu schließen und sie Busse zu ersetzen. Was ein großer Rückschritt für die Stadt und ihre Infrastruktur bedeuten würde. Es ist eine Aussage der Verzweiflung. Denn eine Sanierung kann die Stadt zurzeit nicht finanzieren. Die Situation wird in anderen Städten des Ruhrgebiets nicht besser aussehen.

Die Wurzel des Übels ist meiner Meinung nach, die Überhöhung der Haushaltssanierung. Alles wird diesem Ziel untergeordnet. Es ist also nie Geld da, es wird auch nie mehr welches vorhanden sein, um notwendige Reparaturen oder gar Neubauten durchzuführen, weil der Staat sich selbst durch die sog. Schuldenbremse verboten hat, überhaupt noch zu investieren.

Ich hoffe sehr, dass die Stadtbahnen im Ruhrgebiet zu retten sind. Dies wird allerdings nur gelingen, wenn die Städte zusammenarbeiten und die Sanierung gemeinsam mit dem Land finanzieren. Auch wäre es bestimmt möglich, viele der unterirdischen Strecken wieder oberirdisch zu betreiben, was auch zu Kostensenkungen führen könnte. Doch zu glauben, man könne die Stadtbahn durch ein Busnetz ersetzen, sind kurzsichtig und werden auf längere Sicht nicht funktionieren. Weder was den Bedarf noch was die Kosten betrifft.