Ich diskutiere gerne und auch gern lange. Interessante Diskussionen halten mich wach und ich fühle mich wohl dabei. Vor allem haben Diskussionen und Debatten für mich den Vorteil zwar Ideen in den Raum werfen zu können, doch sich erst einmal nicht um die Umsetzung und die damit verbunden Probleme auseinandersetzen zu müssen. Nicht, dass ich das nicht könnte, doch es ist etwas, was mir nicht ganz geheuer ist. Emotional geht es natürlich auch zu, ich gehöre leider nicht zu jenen Menschen, die ihre Emotionen in einem solchen Moment zurückhalten können, auch wenn es mir unangenehm sein mag sie vor anderen Menschen zu zeigen.

Heute durfte ich die Emotionen von anderen erleben und die sind mir sehr unangenehm, dass ich deren Argument fast im Eiltempo als sinn- und ziellos bezeichne und sie dann einfach ignoriere. Ich war auf einer Diskussionsrunde über die Energiewende nach Fukushima. Auf dem Podium waren Männer von Greenpeace, dem BDEW, dem Wuppertal-Institut und Vattenfall. Alle sprachen sehr ruhig und konzentriert um die gestellten Fragen herum. Hin und wieder blitzte ein Hoffnungsschimmer auf, doch am Ende war ich für mich persönlich kaum einen Schritt weiter gekommen.

Es waren nicht diese Männer auf dem Podium, sondern das Publikum. Allesamt oder zumindest ein Großteil von ihnen waren Aktive und Idealisten_innen, die sich gegen dieses oder jenes Projekt wehren und dieses mit einem starken Willen, der mich an dogmatische Sozialisten_innen erinnert, tun. So war eine Gruppe anwesend, die sich gegen die geplante Fernwärmetrasse vom Kohlekraftwerk Moorburg nach Altona wehren. Viel schlimmer erlebte ich jedoch, wie versucht wurde, die Debatte um den Klimaschutz mit anderen Debatten zu vermischen. Es wurde von moralischen und ethischen Dingen gesprochen und natürlich auch über die Verteilung zwischen Arm und Reich. Natürlich darf die Verteilungsfrage gestellt werden und natürlich kann sie ein Teil dieser Debatte sein aber letztlich ist sie Teil jeder Debatte, die Verteilungsfrage existierte lange vor der Debatte um den Klimawandel und hat mit diesem wenig zu tun. Sie ist meiner Meinung nach eine Scheindebatte, die vom eigentlichen Problem ablenken kann.

Ähnlich verhält es sich um die Debatte über den westlichen Lebensstandard. Er wurde und wird häufig als Ursache für den Klimawandel herangezogen, doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Es ist ja nicht, wofür die Energie benutzt, sondern wie sie erzeugt wird was den Klimawandel ausgelöst hat. So ist es eben unsinnig pauschal hohen Energieverbrauch zu bestrafen, wie es in der Diskussion ankling, sondern den Verbrauch bestimmter Energien, z.B. fossiler Energien, zu verteuern, damit hier ein Umdenken einsetzt. Die Nutzung fossiler Energien ist für das Klima problematisch, unabhängig davon, wer sie nutzt.

So gilt für mich, dass der Klimaschutz keine sozialen Probleme wird lösen können. Es zu versuchen, wird den Klimaschutz komplexer machen und es wird schwieriger sein ihn zu implementieren. Und das ohne zu wissen, ob es überhaupt funktioniert oder ob sich nicht soziale und klimapolitische Maßnahmen gegenseitig aufheben und am Ende sogar alles noch viel schlimmer ist als vorher.