Eigentlich ein Kommentar zum Artikel Wie das “dritte Reich” den deutschen Patriotismus der Gegenwart legitimiert. von TheGurkenkaiser. Diesen bitte zuerst lesen.

Ablehnung. Schon aus dem Grund, weil deine Kritik zu einfach und trotzdem zu komplex ist. Was du beschreibst ist vielleicht die Rhetorik des politischen Mainstreams und der Mainstreammedien, doch letztlich ist es nur das, nämlich Rhetorik. Natürlich hat Deutschland immer nationale Interessen verfolgt, ob das die Westbindung in den 1950er Jahren war oder die Wiedervereinigung 1990. Dies hat Deutschland, bzw. die Bundesregierung ja nicht gemacht, um der restlichen Welt zu gefallen.

Richtig ist, nationales wurde nach 1945 tabuisiert, Deutschlandfahnen waren nur in begrenzter Anzahl und zu besonderen Anlässen salonfähig. Dies hat sich mit der WM 2006 geändert, plötzlich konnte es offen gezeigt werden. Ja, präsentiert werden. Zwar auch ein besonderer Anlass aber in einer unbegrenzten Anzahl. Dass dies nur zu Fangesängen und Jubelstürmen für die Leistungen der DFB-Auswahl führt, glauben wohl nur naive Menschen. Natürlich haben viele damit an Dinge Nationalismus und Rassismus angeknüpft, dass dies aber nicht wirklich durchschlagend war, zeigt, dass rechtsextremistische Parteien danach nicht zugelegt haben. Auch nicht nach der EM 2008 oder der WM 2010 oder dem alljährlichen ESC. Zudem verschwindet das schwarz-rot-goldene Meer pünktlich zum Ausscheiden oder Ende der Veranstaltung. Nach der WM 2006 hat die Bild für weiterwehen der Fahnen geworben, ohne Erfolg. So ist das Fahnenmeer wohl größtenteils nur Fangehabe für die deutsche Auswahl.

Was heißt das nun? Erst einmal heißt das, dass der Nationalismus das 3. Reich nicht braucht, es gibt ihn so oder so. Die Rhetorik darum und dagegen braucht ihn, wieso auch immer. Als wäre der Nationalismus zu Kaisers oder Weimarer Zeiten besser gewesen. Dem kleinen Nationalisten auf der Straße ist das egal, ihm ist auch die Fahne egal, für ihn ist nur wichtig: hier wir, dort die anderen.

Außerdem empfinde ich es immer noch als Genugtuung, wenn auf einen Rassismus oder Antisemitismus-Vorwurf scharf reagiert wird. Dies heißt doch, dass hier richtig getroffen wurde. Jemand, der so reagiert, fühlt sich erwischt, etwas schlimmes getan zu haben und womit? Mit Recht. Wenn also der Rassismusvorwurf schwerer zu wiegen scheint als der Rassismus ist dies auch ein Zeichen, dass selbst den Rassisten ihr Rassismus peinlich ist. Und das ist doch erst einmal nichts schlechtes.

Ich sehe mich persönlich schon als den größten Pessimisten der Welt, ich sehe schon die Welt vor dem Abgrund, weil Europa den Fiskalpakt beschlossen hat. Ich sehe schon die Demokratie in den USA für gefährdet, weil durch das Citizen-United-Urteil Unternehmen ohne Beschränkung in einen Wahlkampf eingreifen dürfen. Doch manchmal sollten die positiven Dinge gesehen werden, oder die positiven Seiten einer scheinbar negativen Medaille.