Ich bin heute beim Plenum der Ökonomen vorbeigekommen, dort schreibt der Professor der Makroökonomie Bernd Lucke, der auch Gründer und Vorsitzender der Alternative für Deutschland ist, über ökonomische Themen. Er hat sich dazu Professoren aus der ganzen Welt eingeladen. Leider machen all diese Volkswirte den gleichen Fehler den schon so viele vor ihnen gemacht haben. Sie halten den Markt für unfehlbar. Etwas, was durch den Markt entschieden wurde, ist richtig, was nicht durch ihn entschieden wurde muss daher falsch sein.

In diesem Fall geht es, um den Zielkonflikt zwischen dem europäischen Emissionshandel und dem EEG, also festen Einspeisetarifen für erneuerbare Energien. Der Emissionshandel funktioniert grundsätzlich sehr einfach, es werden Zertifikate ausgegeben und diese berechtigen zum Ausstoß von CO2. Die Zertifikate sind außerdem handelbar und können untereinander verkauft werden. Die Idee dahinter, dass so ein Preis für CO2 entsteht, der dazu führt, dass die Emissionen sinken und möglichst effiziente Wege gefunden werden, dieses Ziel zu erreichen. Beim EEG stehen Emissionen nicht im Vordergrund, es soll der Ausbau von erneuerbaren Energien gefördert werden. So werden dem Erzeuger von erneuerbaren Energien für die Dauer von 20 Jahren feste Preise und die gesicherte Abnahme von Strom garantiert. Dieser Preis wird außerdem für neue Anlagen regelmäßig gesenkt. So, dass es Anreize gibt, hier möglichst effiziente Anlagen zu betreiben.

Der Zielkonflikt beider System liegt darin, dass das EEG eine senkende Wirkung auf die CO2-Emissionen hat. Für diese Emissionen wurden jedoch Zertifikate ausgegeben, die jetzt für andere zu einem geringeren Preis zur Verfügung stehen bzw. den gesamten Preis nach unten korrigieren. Für liberale Ökonomen ist der Fall damit sehr eindeutig, nämlich dass das EEG hier den Markt, also den Emissionshandel, stört und dieser dadurch eben nicht sein Ziel erreichen kann. Was sie nicht sehen, bzw. nicht sehen wollen, ist, dass der Emissionshandel wahrscheinlich gar nicht geeignet ist, das Ziel zu erreichen und wesentlich mehr Faktoren stören als bloß das EEG. So kann der Emissionshandel nicht auf externe Effekte reagieren, so haben Konjunkturverläufe, das Wetter und selbst die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Unternehmen erhebliche Einflüsse auf die Preise von Emissionen. Diese können vor allem dazu führen, dass mehr Zertifikate im Umlauf sind als eigentlich gebraucht werden.

Doch noch viel schwerer wiegt, dass es durchaus möglich ist, dass der Emissionshandel sein größtes Ziel gar nicht erreichen kann. Nämlich die Senkung von CO2-Emissionen möglichst effizient zu erreichen. Denn die Idee des Handels sieht vor, dass zunächst die billigsten Methoden benutzt werden und erst wenn diese Ausgeschöpft wurden und der Preis damit steigt auch teurere Methoden zur Anwendung kommen. Nur dies muss nicht der beste Weg sein. Das Beispiel der Photovoltaik zeigt hier, wieso es auch umgekehrt laufen kann. Eine am Anfang sehr teure Technik wird im Verlauf so billig, dass sie insgesamt preiswerter ist als am Beginn günstige Techniken. Ein Zertifikatssystems kann hierzu keine Antwort bieten und kann so sogar zu hören Kosten führen als Einspeisetarife.

Wenn also ein Emissionshandel funktionieren soll, würden die Einsparungen bei den CO2-Emissionen durch den Ausbau erneuerbarer Energien auf diesen Eingerechnet, d.h. weniger Zertifikate ausgegeben, um auf konjunkturelle Schwankungen reagieren zu können, hätten die Zertifikate eine kürzere Laufzeit und um das Horden solcher Zertifikate unattraktiv zu machen, würde der Wert über diese Laufzeit sinken.

Dies beseitigt natürlich nicht alle Probleme des Emissionshandel, im Grund keins, weil die Beteiligten am Markt überhaupt kein Interesse an der Senkung von CO2 haben. Alle sehen dies als einen Kostenfaktor und solange dies bloß ein Kostenfaktor ist, wird sich daran nichts ändern.