Was braucht man, um ein Thema für Menschen wirklich interessant zu machen? So interessant, dass sie es sofort weitererzählen, teilen und/oder engagieren wollen. Neben einer einfachen, im Sinne von einfach zu verstehenden, Geschichte vor allem viele unbekannte Elemente die bloß stören könnten wären sie bekannt. Über Uganda weiß ich, und wahrscheinlich bin ich da nicht der einzige, eher wenig. Ich habe schon einmal etwas von der Lord’s Resistance Army gehört und auch über homophobe Politik, die von ihr und anderen Gruppen in Uganda ausgeht. Nun kommt ein Video aus Amerika und erzählt mir etwas von entführten Kindern, die dann von der LRA zu Soldaten ausgebildet wurden. Wie, wenn nicht mit Betroffenheit und Wut sollte ich reagieren? Ich bin schließlich ein aufgeklärter Europäer und finde solche Dinge einfach nur barbarisch.

Hier liegt aus meiner Sicht das Problem. Wir, als Europäer, werfen den US-Amerikaner_innen gerne vor, ihre Welt würde an Atlantik und Pazifik enden. Doch in Wirklichkeit sind wir nicht viel besser, bei uns ist es das Mittelmeer. Über den Rest blicken wir von oben herab, wir glauben uns sofort eine richtige und wahre Meinung, über die Situation die wir unmöglich komplett überblicken können, zu haben. Egal, wie viel wir über die Geschichte wissen oder vielmehr nicht wissen.

Dies ist eine zutiefst kolonialistische Sichtweise Europas auf seine einstige Kolonie. Sie ist von der Überzeugung geprägt, Afrika bzw. die Bevölkerungen der afrikanischen Staaten könnten ihre Probleme nicht alleine lösen. Diese Sichtweise durchzieht bereits die Entwicklungshilfe Europas und sie durchzieht auch die Arbeit vieler Wohltätigkeitsorganisationen in Afrika.

So ist es kein Wunder, dass das Video von der amerikanischen Organisation Invisible Children millionenfach weitergeleitet wird, während die Stimmen von lokalen Journalisten_innen und Aktivisten_innen kaum Verbreitung finden. Bei Boing Boing hat sich Xeni Jardin immerhin mal die Mühe gemacht und einige Stimmen aufzuzeichnen. Wie z.B. dieses Video von der ugandischen Journalistin Rosebell Kagumire.

Es ist nicht das Problem, dass sich jetzt viele Menschen mit Uganda beschäftigen, es ist aber ein Problem, dass sie dies einseitig tun. Sie scheinen etwas lösen zu wollen, was sie nicht lösen können. So sollten wir als Europäer aufhören Schlussfolgerungen über afrikanische Konflikte zu ziehen, die wir nicht verstehen. Vor allem sollten wir keine Schlussfolgerungen aus einer kolonialistischen Perspektive ziehen, doch genau das tun wir regelmäßig.