In der Karrierebibel von Jochen May habe ich mich zu einer Diskussion um die Frauenquote für Führungskräfte hinreißen lassen.

Die Diskussion dreht sich für mich seit 15 und viele andere seit wahrscheinlich über 20 Jahren um mehr oder weniger die gleichen Punkte. Für die Gegner der Quote ist sie eine Form der Diskriminierung, weil dann Männer ausgeschlossen würden, weil sie Männer sind. Es würde zu mehr Mittelmaß in Unternehmen kommen, weil angeblich Qualifikation und persönliche Eignung nicht mehr die einzigen Kriterien seien und es sei populistisch eine Quote zu fordern, weil sich das Problem durch die demografische Entwicklung verlagern würde. Letzteres Argument von May ist mir jedoch unverständlich geblieben. Meist kommt als drittes Argument, dass durchsetzungsfähige Frauen keine Quote brauchen würden oder dass Frauen an einer solchen Arbeit kein interesse hätten. Wie man aus meiner Zusammenfassung dieser einzelnen Argumente sicherlich lesen kann, stimme ich mit ihnen nicht überein.

Meine Erfahrungen mit der Quote sind nicht immer positiv gewesen. Ich wurde mindestens einmal nicht in ein Amt gewählt, weil ich eben ein Mann bin und die Quote sonst nicht erfüllt worden wäre. Aber ich habe auch begriffen wie fragil das Gebilde sein kann, welches eine Quote erzeugt. So waren bei der Bezirkskonferenz des Juso-Bezirks Hannover, auf der die harte Quote von 50 % und sämtliche Konsequenzen für nicht-quotierte Delegationen abgeschafft wurden, noch weit über 50 % der Delegierten Frauen. Nur ein Jahr später wurde nicht einmal mehr die weiche Quote von 40 % erfüllt. Es bestand nicht mehr die Notwendigkeit für die Unterbezirke Frauen für die Mitarbeit auf der Bezirkskonferenz zu gewinnen. Die Quote war notwendig, damit die Gliederungen überhaupt darüber nachgedacht haben, Frauen für die Arbeit in der Organisation und den Gremien zu begeistern. Aber es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Konsens, dies auch ohne Zwang zu tun. Es wurde noch als ein Übel angesehen, über welches man sich jedes Jahr aufs neue aufregen und diskutieren musste, bis es dann gekippt wurde. So stellt sich die weitere Diskussion über die Quote für mich als ein Indikator dar, dass die Quote weiterhin notwendig ist.

Mir ist klar, dass ich auch in Zukunft an der Quote scheitern kann. Mir ist jedoch genauso klar, dass heute viele hochqualifizierte Frauen an der Karriere scheitern, weil es eben keine Quote gibt. Sie bekommen nicht einmal die Chance, sich in einer bestimmten Position zu beweisen. Für sie ist die so genannte gläserne Decke eine bittere Realität.