Zwangsstörungen können ganz schön störend sein, wahrscheinlich heißen sie deshalb auch. Sie stören mich sehr, weil ich deswegen immer noch an die Idee glaube, es müsste so etwas wie eine perfekte Lösung geben. Es geht heute, um ein sehr oberflächiges Thema, nämlich der Sprache von Benutzeroberflächen auf meinen verschiedenen Geräten und Computern.

Seit vielen Jahren benutze ich sie meist auf Englisch. Der Grund liegt darin, dass mich viele Übersetzungsversuche verzweifelt haben. Wenn aus Download plötzlich Empfangen wird oder wenn die Schaltflächen für das deutsche Wort viel zu klein sind. Insgesamt wirkten viele Übersetzung etwas übereifrig oder festgefahren. So übersetzt Apple z.B. password mit Kennwort, obwohl hier wahrscheinlich Passwort die bessere Wahl gewesen wäre. Bei anderen Übersetzungen sieht es wieder anders aus. So heißt auf Macs das Menü File meist Ablage, und nicht wie auf Windows Datei. Das Wort Ablage empfinde ich für den Sinn des Menüs sinnvoller. Und dieses Nachdenken fällt regelmäßig über mich, wenn ich eine deutschsprachige Oberfläche benutze. Ich denke mehr über die Übersetzung des Programms nach, als das Programm tatsächlich zu benutzen.

So bin bei Englisch gelandet. Englisch hat dieses Problem nicht. Hier und da mal ein Rechtschreibfehler, doch es ist die native Sprache der meisten Programme die ich benutze. Und so wirkt auf mich natürlicher. Die Sprache passt sich der Oberfläche meist besser an als eine Übersetzung. Zum Beispiel in den Einstellungen zur Time Machine von OSX gibt es die Schaltfläche Select Disk …, auf Deutsch heißt diese Volumen auswählen …. Die nun wesentlich breitere Schaltfläche hat kaum noch Platz, Ränder zu anderen Elementen der Einstellungen sind fast völlig verschwunden und es wirklich lieblos zusammengesetzt. Allerdings ist auch Englisch nicht ohne Fehler. So heißt Englisch häufig Amerikanisches Englisch oder Englisch (USA) und das heißt nicht nur, dass colour plötzlich color geschrieben wird, sondern auch, dass statt metrischer Maßeinheiten nun US-Maßeinheiten benutzt werden. Textverarbeitungen wie z.B. Pages nehmen nun für Dokumente Englisch als Standardsprache. Auch bei Google gibt es solche Probleme, die Ergebnisse werden für mich in einigen Fällen weniger relevant, so kann ich zwar nach z.B. Island suchen, doch Informationen bekomme ich zu Inseln allgemein, weil das Land auf Englisch Iceland heißt. Auf der anderen Seite besteht nur bei englischer Benutzeroberfläche der Zugang zu neuen Funktionen wie z.B. dem Google Knowledge Graph.

So gibt es einfach keine, für mich, perfekte Einstellung. Und dies nervt mich manchmal doch sehr. Es gibt ein paar Kompromisse, so kann ich auf andere Einstellungen wie eben Maßeinheiten, Währung oder Uhrzeit seperat einstellen. Doch es fühlt sich unvollständig. Es fühlt sich manchmal sogar falsch an. So wird mich diese Zwangsstörung wohl auch noch in Zukunft stören und ich werde auch weiterhin auf all meinen Geräten die Sprache ändern, nur um zu sehen, ob sich etwas verändert hat.