In regelmäßigen, manchmal auch unregelmäßigen, Abständen wird jemand dabei erwischt, wie er seine wirklichen Ansichten über bestimmte Gruppen äußert. Sei es, dass es antisemitische Sprüche sind oder rassistische Ansichten. Natürlich sind ihm diese nur versehentlich rausgerutscht und er hat in Wirklichkeit nichts gegen die angesprochene Gruppe und überhaupt, seine besten Freunde würde ja zu dieser Gruppe gehören und daher wäre er völlig unschuldig. Ja, dies kommt einem sehr bekannt vor, alles schon einmal gehört, alles schon einmal gesehen. Wobei es auch mehrmals gewesen sein muss.

Doch frage ich mich immer, ob so etwas überhaupt stimmen kann. Selten passiert ein solcher Patzer in einer freien Rede. Meist sind es, lange im voraus, geschriebene Reden oder (vor)geschriebene Kommentare. Wie kann es hier zu solchen Bemerkungen kommen, wenn sie nicht beabsichtigt gewesen sind? Wie?

Nein, ich muss davon ausgehen, dass solche Bemerkungen oder Kommentare so gemeint sind, wie sie vorgetragen werden. Jemand hat sie geschrieben, jemand hat sich darüber Gedanken gemacht, was er aussagen, was er an den Hörer oder Leser bringen wollte. Und wenn jemand antisemitische oder rassistische Bilder oder Aussagen in seinen Texten benutzt und diese weder danach als solche bezeichnet noch negiert, sondern sie als seine Überzeugung übernimmt, dann muss ich davon ausgehen, dass dies seine Überzeugen sind.

Oft spricht der Erwischte nach dem er ertappt wurde von der sog. Antisemitismuskeule. Doch was meint er damit eigentlich? Sie wollen damit meiner Meinung nach vor allem eines ausdrücken, auf Antisemitismus bei Ihnen hinzuweisen ist schlimmer als der Antisemitismus selbst und man würde sie verfolgen und natürlich ihnen die Meinungfreiheit beschneiden. An dieser Reaktion ist eines beruhigend, man merkt ihnen an, dass es ihnen peinlich ist und genau das muss es sein. Solange es für jemanden peinlich ist, des Antisemitismus beschuldigt zu werden, solange man sich herausreden muss, solange es gesellschaftlich nicht akzeptiert wird, eine solche Meinung zu äußern, befinden wir uns noch auf der richtigen Seite. Wir sind also noch nicht an der Klippe und schon gar im Fall.

Leider trifft dies nicht auf alle rassistische Äußerungen zu, vielfach bleiben sie ohne Widerspruche und werden gesellschaftlich akzeptiert. Sei es die vielen antigriechischen Schlagzeilen der Bild in den letzten Monaten oder islamophoben Sprüche, die mittlerweile aus allen politischen Richtungen kommen und mir große Sorgen bereiten. Es ist richtig, dass es nicht dasselbe ist, wenn zwei das Gleiche tun, doch sollten es die gleichen Folgen haben. Ich will keinen Rassismus, Antisemitismus oder Islamophobie im öffentlich-rechtlichen Radio oder im Parlament hören und nein, dass ist kein Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Die sichert nur die Freiheit seine Meinung zu äußern, sie sichert aber niemanden dafür Redezeit im Parlament oder Radio. Es ist notwendig, auf den Rassimus, auf den Antisemitismus und die Islamophobie von öffentlichen Personen hinzuweisen und sie dazu zu bringen von der öffentlichen Bühne zu verschwinden. Der Gesellschaft, wird so gezeigt, dass solche Überzeugungen hier keinen Platz haben, kein Podium und kein Forum.

Ich habe daher wenig Mitleid mit denjenigen, die deshalb zurücktreten, deshalb ihre Sendung verlieren und deshalb die öffentliche Bühne verlassen müssen.