Auf Google+ wurde über die Aussage von Amazon diskutiert, dass Kindle-Besitzer sehr vielmehr Bücher kaufen/lesen als vorher. Ich halte diese Diskussion für nutzlos und habe mich daher weniger mit der Frage als viel mehr mit den urheberrechtlichen Bremsen des E-Book-Marktes beschäftigt. Hier noch mal mein Kommentar in voller Länge.

Es ist m.E. die völlig falsche Diskussion. Es ist nicht so wichtig, wie viele Bücher ein Leser liest, sondern was er/sie bereit ist dafür zu bezahlen. Ich merke, dass ich nicht bereit bin so viel für ein E-Book zu bezahlen wie für ein gedrucktes Buch.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem, die Verlage lassen zu viele Marktnischen offen, sie können dies tun, weil sie ein Urheberrecht beschützt. Es ist ein Monopol, welches dem Autor nur bedingt aber dem Verlag viel nützt. Der Verlag kann ein Buch zu seinem (hohen) Preis verkaufen und den Autor für lange Zeit an sich binden und dem Leser bleibt nur die Wahl zwischen kaufen oder liegen lassen, woanders kaufen bringt nichts.

Als es noch kein Urheberrecht gab, war das Problem ein anderes. Die Verlage mussten schnell sein, offene Marktnischen zu lassen bedeutete, dass ein anderer das Buch einfach genau in diesem Markt herausgeben würde. So erschienen Bücher zeitgleich in verschiedenen Versionen und zu verschiedenen Preisen. Diese Preisdiskriminierung war der einzige Weg für die Verlage ihre Gewinne zu maximieren. Und die Autoren? Die waren sehr gefragt, weil sich mit einem einzelnen Buch nicht viel verdienen lies, mussten die Verlagen viel mehr an Büchern herausgeben. Autoren konnten so sogar höhere Preise erzielen. Sie konnten sich die Verlage aussuchen. Ja, auch die Art der Bücher war anders. Es waren vor allem Ratgeber, praktische Bücher, technische Bücher, etc. pp. Weniger die große Literatur oder die großen Werke.

So, wann und wo soll das gewesen sein? Ja, Deutschland, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wenn es damals einen Kindle gegeben hätte, hätte sich niemand dafür interessiert, wie viele fürs Kindle ein Buch kaufen würden. Wichtig war es nur, diesen Markt nicht den Nachdruckern zu überlassen, sondern dort mit konkurrenzfähigen Preisen vertreten zu sein.

Natürlich ist es für mich einfach darüber zu schreiben, ich verdiene mit Büchern nicht meinen Lebensunterhalt. Ich werde dies wohl auch nie. Aber für mich als Volkswirt sind solche Fragen hochinteressant und die Tatsache, dass viele Autoren immer noch glauben, dass Urheberrecht sei für sie geschaffen worden amüsiert mich sehr. Meiner Meinung nach wurde das Urheberrecht geschaffen, um die Verlage zu stärken, ihnen die Möglichkeit zu geben, mit weniger Büchern mehr Geld zu verdienen. Ich weiß allerdings auch, dass Ereignisse von vor 170 Jahre meist nur schwer übertragbar sind, doch interessant ist die damalige Situation schon, gerade in Hinblick darauf, wie sich der E-Book-Markt in Deutschland zurzeit entwickelt und wer hier bremst.