Meine Erinnerungen an meine Grundschulzeit verblassen mit zunehmenden Alter. Dies ist wahrscheinlich eine kluge Einrichtung, so muss ich mich irgendwann nicht mehr an viel aus dieser Zeit erinnern und habe das Gefühl sie überwunden zu haben.

An diesem Wochenende jedoch, habe ich mich sehr genau daran erinnert, wie ich damals schreiben lernen musste. Wie meine damalige Grundschullehrerin der 1. und 2. Klasse dies gemacht hat und auch welche Gefühle mich dabei heute nicht in Ruhe lassen.

Es began, wie es wohl beginnen musste, mit dem lernen der Buchstaben und Zeichen, immer wieder musste ich diese Aufmalen. Ich sehe vor mir mein Schulheft seitenweise mit dem Buchstaben A beschrieben oder Zeilen mit abwechselt die Buchstaben J und I. Wichtig schien nicht nur, dass die Bögen der lateinischen Ausgangsschrift richtig, sondern auch, dass sie schön waren.

Der nächste Schritt war für mich der aus meiner heutigen Sicht fatale. Wörter schreiben lernen, Silbentrennung lernen. Das heißt, weniger lernen als pauken stand auf dem Programm. Regelmäßig erhielt wir als Hausaufgabe einen A4-Bogen mit einer langen Liste von zusammenhanglosen Wörtern. Diese sollten wir dann einmal selbst aufschreiben und einmal in Silben getrennt. Was wir sonst mit diesen Wörtern gemacht haben, weiß ich nicht mehr. Einzig und allein diese stupide Arbeit ist mir im Gedächtnis geblieben.

Zweite Maßnahme zum erlernen des Schreibens, waren tägliche Diktate. Ich, der nur sehr langsam schrieb hatte große Schwierigkeiten zu folgen. Zudem war meine Rechtschreibung noch schlechter als heute. Die Entscheidung wie etwas  oder ob es groß oder klein geschrieben werden sollte, brauchte bei mir zu viel Zeit. So machte ich bei diesen Diktaten viele Fehler, zu viele Fehler in den Augen meiner Lehrerin. Heute weiß, dass sie mir dafür regelmäßig eine schlechte Bewertung ins Klassenbuch eingetragen hat und auch wenig Hoffnung sah, dass ich es überhaupt noch einmal lernen werde.

Heute denke über Spätfolgen dieses Lernens nach. Darüber, dass ich große Probleme habe, Gedanken und Gefühle zu Papier bzw. auf die Tastatur zu bringen. Dass der eigentlich kreative Akt des Schreibens mir wie eine große Last vorkommt und ich mich regelmäßig überwinden muss. Dass ich bei Klausuren, wo ich unter Druck und schnell schreiben muss und versage, während ich bei mündlichen Klausuren gut abgeschnitten habe. All das ist für mich eine frustrierende Feststellung. Wie sehr sich ein Erlebnis in der Kindheit, welches nun über 20 Jahre zurückliegt im Laufe der Zeit verfestigt zu haben scheint.

Heute stelle ich mir die Frage, wie ich es überwinden kann. Wie bekomme ich es hin, dass ich diese Blockade, die mich davon abhält etwas zu schreiben, überwunden? Während ich dies hier schreibe, habe ich viele gute Ideen, viele inhaltliche Punkte, die ich hier gerne niedergeschrieben hätte. Es gebe vielmehr über dieses Thema, was ich eigentlich unbedingt loswerden wollte und immer noch will. Doch es hat den Weg vom Kopf in die Tastatur nicht geschafft. Irgendwo in der Mitte blieben sie stecken. Und ich kann sie danach nicht mehr wieder finden. Es geht hier nicht, um eine Formulierung, die scheinen viele zu vergessen, wenn sie beginnen einen Text zu schreiben Es geht, um einen inhaltlichen Punkt, um etwas, was ausdrücken wollte aber nicht konnte. So fühlen sich viele Texte von mir unvollständig an. Auch weil ich weiß, dass ich hätte mehr schreiben können.