Unbekannter Ort, mir bisher unbekannte oder nur entfernt bekannte Menschen, eigentlich eine Situation die ich bisher in meinem Leben, wenn möglich, vermieden habe oder lange gebraucht habe, um mich dort wohl zu fühlen. Heute ist dies anders gewesen.

Ich bin bei der Lesung von Benjamin Steins Buch Replay gewesen. Es fand in der Theaterbar Zentrale im Thalia-Theater statt. Ein eher dunkler Ort, nur wenig Tageslicht kommt durch trotzdem große Fenster. Dunkle Orte mochte ich in der Vergangenheit nicht, ich konnte sie nicht wirklich überblicken. Nicht alles sehen. Dies machte mir mehr Angst als dass mich die Möglichkeit in der Dunkelheit zu verstecken angenehm war. So auch heute aber nur kurz.

Benjamin Stein erkannte mich bereits beim Betreten des Gebäudes auf dem Bürgersteig. So ein Moment, wo ich für die Erfindung sozialer Netzwerke dankbar bin, sonst hätte er nie gewusst wer ich bin. Die Unterhaltung mit ihm, nahm mir die restliche Angst für den Abend.

Die Lesung war sehr angenehm, auch die Fragen von dem Moderator Matthias Göritz gefielen mir, boten sie doch Stein die Möglichkeit sein Buch zu erklären. Die vorgelesenen Stellen des Buches, der Beginn und die Szenen in der Gallerie, bieten einen m.E. guten Einblick in das Buch ohne zu viel vom Ende des Buches zu verraten.

Nach der Lesung bin ich geblieben und kam mit einer Sitznachbarin ins Gespräch, ich erinnere mich noch an die Lesung 2010 in der Zentralbibliothek in Hamburg, wo ich nach dem mein Buch signiert wurde schnell wieder verschwunden bin. Die Idee zu bleiben kam mir damals gar nicht, heute war es völlig anders. Ich war entspannt, genoss die Unterhaltung mit der Frau, wo ich mich nur ärgere nicht nach dem Namen gefragt zu haben. Ich erzählte ihr von Corpus Delicti, einem dystopischen Roman von Juli Zeh und von Cairo von G. Willow Wilson. Zum Schluss habe ich gar nicht gemerkt wie schnell die Zeit vergangen ist und als ich wieder auf der Straße vor dem Thalia-Theater stand, merkte ich, dass mein Zug nach Winsen gerade abgefahren ist. Ein Gedanke der mich vor einer Weile noch beunruhigt hätte. Heute nicht.

Ich habe mich bei Benjamin Stein verabschiedet und bin Richtung Bahnhof gegangen. In einem Kiosk bin ich unvermutet in eine Diskussion über das Halbfinale der Champions League geraten. Mein Smartphone teilte mir mit, dass Real gegen Bayern gerade 2:0 führt, darauf wechselte das Gespräch zum gestrigen Spiel zwischen Barcelona und Chelsea, wo Barcelona zunächst auch 2:0 führte und trotzdem verlor. Dies Gespräch setzte sich in der S3 bis Veddel fort. In Harburg stieg ich, wieder alleine, um in den Metronom nach Winsen.

Mit zufriedenen Gedanken und einer signierten Ausgabe von Replay in der Hand kehrte ich in meine Wohnung zurück.